Circus Krembser oder: Die kurze Ära des Wellblechzirkus in Berlin
Heizung des eisernen Zirkus Krembser.
In Nr. 83 der Deutschen Bauzeitung d. J. befindet sich ein Artikel, der sich vorzugsweise mit der im Zirkus Krembser angewandten Eisenkonstruktion beschäftigt und in dem nebenbei auch erwähnt wird, der Zirkus werde mittels Dampfheizung erwärmt. Es sei mir, als dem Konstrukteur und Hersteller der betreffenden Heizungs-Anlage, gestattet, diesen Irrthum dahin zu berichtigen, dass nicht eine Dampf-, sondern eine Mitteldruck-Wasserheizung
ausgeführt worden ist, da es nicht möglich gewesen wäre in der Kürze der gegebenen Zeit (12 Tage) die behördliche Genehmigung zum Dampf-Kesselbetrieb und Kessel selbst zu beschaffen.
Vielleicht sind einige Details von Interesse, die sich auf diese originelle Heizungs-Anlage beziehen. Originell sage ich deshalb, weil schwerlich eine zweite Heizung existirt, welche bei gleicher Ausdehnung – der Zirkus hat ohne die ebenfalls geheizten Anbauten 38 m Durchmesser in der unglaublich klingenden kurzen Zeit von 12 […] Tagen, entworfen und betriebsfähig ausgeführt worden ist […].
Da der Unterzeichnete gleichzeitig die umfangreichen Wasserleitungs-, Kanalisations- und Gasbeleuchtungs-Anlagen auszuführen übernommen hatte, so war diese Arbeit nur in der Weise zu bewältigen, dass 60 Monteure mit Gehilfen Tag und Nacht umschichtig unter der wechselnden Aufsicht zweier Ingenieure arbeiteten.
Der Heizofen wurde außerhalb des Zirkus in einer, jede Gefahr ausschließenden Entfernung erbaut und […] in eine mit Wellblech abgedeckte Grube verlegt. Die Vertheilung der Wärme wurde auf gleichmäßigste Weise dadurch bewirkt, dass unter sämmtlichen Sitzen ein Rohr herum geführt wurde, wodurch jedem einzelnen Besucher die Empfindung einer milden, angenehmen Wärme zu gute kommt und die Füße von der ausstrahlenden Wärme direkt umspült werden. Die Manège, Fürstenloge, Restauration, Konditorei, Sattelhalle und Schneiderei sind durch besonders regulir- und absperrbar größere Heizkörper erwärmt, während die Ställe und Künstler-Garderoben vom Hauptsystem aus mit erwärmt werden. Die Heizung ist seit der Eröffnung (27. November 1886) bis heute Tag und
Nacht ununterbrochen in Betrieb gewesen und hat sich in jeder Richtung als außerordentlich gelungen erwiesen; auf Ausbesserungen usw. ist noch nicht eine einzige Stunde verwendet worden. Die Betriebskosten stellen sich durchschnittlich auf 3,30 M für je 24 Stunden, entsprechend dem Verbrauch von 3 hl Koke.
Berlin, 1. Mai 1987.
Ernst Fischer, Ingenieur und Fabrikant für Zentralheiz.-Anlagen usw.
Deutsche Bauzeitung, 18. Mai 1887, S. 239f.
von För Künkel und Mirjam Hildbrand
Erschienen in: Zirkuskunst in Berlin um 1900 – Einblicke in eine vergessene Praxis (02/2025)
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