Report
Kraftakt mit Akribie und Hingabe
Das Kölner Schauspiel setzt unter Leitung von Kay Voges zu einem Höhenflug an – und ist schon weit oben angekommen
von Stefan Keim
Assoziationen: Nordrhein-Westfalen Kay Voges Schauspiel Köln

Sie dümpeln vor sich hin, unfähig zur Liebe, die Arbeit ist für manche der einzige Halt. Und manchen fehlt sogar das. Das Publikum sitzt um einen von einem Wassergraben umgebenen Bühnenquader herum – höchstens drei Reihen von der geballten Depression entfernt. Ein bisschen glimmen noch die Triebe, manchmal explodiert die Verzweiflung wie am Schluss das Foliendach, auf dem sich immer mehr Wasser sammelt. Regisseur Itay Tiran hat Tschechows „Onkel Wanja“ klug auf gut anderthalb Stunden gekürzt und den Kern des Stückes herausgearbeitet. Fein und psychologisch, mit einem überwältigenden Ensemble. Das ist nicht das Theater, für das der neue Kölner Intendant Kay Voges bekannt ist. Die Aufführung zeigt, wie breit sich das Schauspiel schon in der ersten Spielzeit unter neuer Leitung aufstellt – ästhetisch wie inhaltlich.
Kay Voges ist mit Performances bekannt geworden, die viel mit digitaler Technik zu tun haben. Mit Kamerarobotern, die sich von selbst bewegen, Mischungen aus Live-Action vor Publikum und im Videostream, Bilder- und Musiktheater, das oft eine rauschhafte Wirkung entfaltet. So hat er sich in Köln auch vorgestellt, mit einem Stück ohne Worte. „Imagine“ ist ein collagierter Weltentwurf aus vielen Geschichten und Begegnungen, das Porträt einer vereinsamten Gesellschaft, inhaltlich hat es Ähnlichkeiten mit „Onkel Wanja“. Und...

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