Es gibt eine Szene in Alexander Hectors liebevollem und sehenswertem filmischen Porträt des Ensemble Materialtheater, die für mich ziemlich genau den Reiz von dessen Arbeit beschreibt. Alberto García Sánchez erzählt, wie er Theaterworkshops für Kinder mit einem Spiel beginnt: Er zeichnet auf einer Tafel kleine Bilder und sie sollen raten, was es ist. Vor der Filmkamera zeichnet Sánchez nun drei Striche, zwei gleich lang und parallel, der dritte schräg über den beiden. Die Kinder wissen sofort, das wird ein Haus, sie haben die fehlende, virtuelle Linie in ihrem Kopf ergänzt. Und das, so Sánchez, ist es, was das Ensemble Materialtheater auf der Bühne sucht: Diese drei Linien zu finden, die dem Publikum erlauben, „die virtuellen Linien der Geschichte selber zu sehen“.
Diese gekonnte Reduktion auf wenige Objekte schafft starke Bilder, die Unsichtbares sichtbar machen – und wird zugleich immer wieder auf der Bühne thematisiert. Denn auch das gehört zu den Markenzeichen des Ensembles: die Theaterhaftigkeit ihres Spiels und des Lebens immer wieder auf einer Metaebene zu reflektieren, die Geschichte zu brechen und von außen zu kommentieren.
Ganz pur auf die Erzählung reduziert konnte man das Ensemble Materialtheater in „Kino im Kopf“, dem zweiten Teil der „Heimweh nach der Zukunft“ betitelten...