Leben wir wieder in der Zeit der exklusiv „plombierten“ Züge? Zumindest medial tun wir das – Kim Jonguns Reise nach Peking in seinem gepanzerten Zug ist irgendwie dann doch fotografiert bei Spiegel Online aufgetaucht und erinnert wie eine sehr, sehr schlechte Kopie an einen ganz anderen Zug, nämlich an Lenins „plombierten“ Zug auf dem Weg durch Deutschland nach Russland im April 1917, als handelte es sich um eine sehr schlechte Jubiläumsfeier ein Jahr zu spät. Nordkorea ist für schlechte Kopien abgehakter Jubiläen immer gut, kann man sich sagen und es dabei belassen. Vielleicht aber erinnert uns dieser Zug auf gute Weise an zahlreiche noch nicht ganz so abgehakte Jubiläen, die wir zu bewältigen haben. 1968, 1918, 1848, demnächst Bauhaus, die Jahrestage und Gedenkmomente reihen sich wieder einmal aneinander, türmen sich auf, an ihrer Spitze in diesem Jahr sicherlich ’68. So besetzt, so von Besitzstandswahrern und Erinnerungswahrern umgeben – was also glauben wir da feiern zu können? Beziehungsweise was bleibt für uns übrig vom Fest?
Man erinnert sich, wie es wirklich war, was es wirklich gebracht hat und was für Ärger daraus entstanden ist. Ungewollter und gewollter, bleibende Schäden, bleibende Freuden, Öffnungen. „Ach was“, sagen einige, ’68 ist in die Tonne...