Kolumne
TdZ+Wir gehen rein
Facts & Feels
von Lina Wölfel
Erschienen in: Theater der Zeit: Russische Theaterkünstler im Exil (10/2026)
Assoziationen: Sachsen-Anhalt Theater Magdeburg

Ein nüchternes Intro auf leerer Bühne. Dann Techno. Grelle Lichtstreifen. Nebel. Und dann, irgendwo zwischen all dem, eine halbnackte Schauspielerin, die mit einem Eimer Wasser, einem Eimer Dreck, einem Eimer Kunstblut ringt. Sie stellt die große Frage: Woher kommt eigentlich die Gewalt im Menschen? Warum wählen so viele eine gesichert rechtsextreme Partei? Warum können wir nicht einfach nett zueinander sein?
Alles gute Fragen. Vielleicht sogar die Fragen, für die Theater erfunden wurde. Und doch folgt auf sie erstaunlich oft: ein Soundteppich. Eine Atmosphäre. Ein Gefühl. Und Ratlosigkeit.
In der Uraufführung von „Die Holländerinnen“ am Theater Magdeburg, nach Dorothee Elmigers Roman – da ist Gewalt allgegenwärtig: als Drohung, als Erinnerung, als Körperwissen, als etwas, das sich durch Bilder, Geschichten und Beziehungen frisst. Das ist stark. Das ist sinnlich. Das ist düster. Das kann erschüttern. Einschüchtern. Der Abend lässt einen mit dem Gefühl zurück, dass Gewalt offenbar etwas dem Menschen Eigenes ist. Aber spätestens nach der dritten metaphorisch aufgeladenen, bedeutungsschwangeren Untergangsgeschichte drängt sich die Frage auf: Ja, und jetzt?
Theater liebt die großen Fragen. Es liebt sie vor allem in einer Größe, die garantiert, dass eine Antwort zu finden unmöglich ist. Also, so der fatale Schluss, wird auch keine gesucht. Subjektivität, hallo.In...
















