Tom Schilling im Gespräch
Aus TdZ 8/1979
von Dietmar Fritzsche und Tom Schilling
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Thematisch fällt an Ihrer Arbeit die Aktualität der Ballette auf, gleichermaßen bei der Erschließung eines klassischen Werkes wie beim Schaffen eines neuen. Wie weit spannt sich der Themenkreis, dem Sie sich widmen können und möchten?
Ich lebe bewußt in der Gegenwart, ohne die Vergangenheit zu vergessen, die gesellschaftliche Entwicklung wahrnehmend und, wenn es mir gelingt, mit fördernd. Das beeinflußt mein ganzes Denken. In meinen Balletten spielen entweder persönliche Erlebnisse eine Rolle oder zeitbezogene Ereignisse, die mich beeindruckten. Wir leben in einer Zeit der gesellschaftlichen Veränderungen auf der ganzen Welt, deshalb finde ich, daß sie sich auch in der Kunst niederschlagen müssen. Als heutiger schöpferischer Künstler ist es nicht möglich, sich künstlerisch anders als so zu äußern, sonst bleibt man beim Nostalgischen.
Wie weit kann man gehen, unmittelbare Gegenwart tänzerisch darzustellen?
Wir haben es im Tanz etwas schwerer, weil der für ein Ballett gefundene Text in Bewegung umgesetzt werden muß.
Der Tanz ist – was Aussage betrifft – begrenzt. Zwar sind wir in der Offenbarung der Gefühle allen anderen Kunstgattungen gegenüber überlegen, dafür können wir ganz konkret gemeinte Vorgänge wie zum Beispiel: »Wir treffen uns morgen um acht Uhr an der Weltzeituhr« nicht aussagen. Trotzdem ist es nach meiner Ansicht möglich,...
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