Anziehende Gegensätze. Komische Oper Berlin: »Pastorale«/»Gajaneh-Suite«
Aus TdZ 12/1979
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Assoziationen: Komische Oper Berlin
Was das Programmheft bietet, ästhetische Geschlossenheit, empfand man nach dem stilistisch kontrastierenden zweiteiligen Ballettabend der Komischen Oper Berlin kaum. Oder ziehen sich Gegensätze gerade an? Dann könnte der Dualismus der beiden Ballette (inniges Naturgefühl – temperamentgeladene Lebensfreude) als sich ergänzende, sogar bedingende Einheit empfunden werden.
Tom Schilling choreographierte Beethovens »Pastorale« als ein Ballett, das »Formen menschlichen Zusammenlebens, die Vielfältigkeit der Beziehungen von Menschen untereinander und zur Natur, junge Leute und ihre Lebensfreude, die Gefährdung ihres harmonischen Zusammenseins und das Wiedererstehen der Gemeinschaft« darstellen will. – Alexej Tschitschinadses »Gajaneh-Suite«, die Aram Chatschaturjan 1972 selbst für den Moskauer Choreographen zusammenstellte, ist ein farbiger Wirbel armenischer, grusinischer, kurdischer, russischer Tänze, mit denen junge Leute und die Brautpaareltern die Hochzeit von Gajaneh und Armen feiern. – Zuerst also Ideen und Empfindungen, vergegenständlicht in Formen und Gesten, danach einem festlichen Anlaß entspringende Lebensfreude im Rahmen traditioneller Tänze.
Bei Schilling Barfußtanz, bei Tschitschinadse Spitzenschuh und Stiefel.
Schillings »Pastorale« beginnt im Sinne von Beethovens Satzüberschrift »Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande«: ein Mädchen rekelt sich im Sonnenschein. Doch Schilling nennt den ersten Satz »Begegnungen«, und so treffen Mädchen auf Jungen – es finden sich drei Paare. Weitere Paare folgen. Sie fügen sich...

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