Einleitung
Passkontrollbereich am Grenzübergang eines osteuropäischen Landes. Eine regnerische Nacht. Grelles Scheinwerferlicht erhellt die Luft. Eine Schlange von Menschen, die – von Osten kommend – die Grenze überqueren wollen. Auf der anderen, westlichen Seite stehen Menschen unter Schirmen und beobachten das Geschehen.
Chor mit Schirmen:
Sagen wir es doch jetzt gleich.
Solange wir nach Regen und Straße duften.
Solange uns keiner mit dem käuflichen Wort „Publikum“ tituliert.
Solange wir unsere Kleider nicht mit der Mittagssoße Kultur befleckt haben.
Sagen wir es doch so, als würden wir uns zum letzten Mal sehen,
als müssten wir nicht morgen den Blick abwenden und unsere eigene Offenheit bereuen.
Sagen wir doch, was wir von unserer Sicherheit halten.
Von unserem Wunsch, im eigenen Treppenhaus nicht über Leichen steigen zu müssen.
Von unseren Grenzen, die reißen wie Hemden im Straßenkampf.
Von unserem Recht, die Welt mit Worten zu erklären,
die wir in den Frühnachrichten gehört haben.
Kultur ist die Fähigkeit, in Gegenwart der Toten über das Leben zu sprechen.
Kultur ist der Versuch, sich mit denen zu verständigen,
die unter dir ein Feuer entfachen.
Kultur ist unsere Fähigkeit, zwischen trauriger Erfahrung
und unguter Vorahnung zu balancieren.
Sollen wir in den Theatern über Politik sprechen?
Sollen wir...