Report
TdZ+Oase in der Geisterstadt
Das Theater Eisleben erlebt den ersten Intendantenwechsel seit 31 Jahren
Assoziationen: Thüringen Theater Eisleben
Erschienen am 17.5.2026

Es ist ruhig in Eisleben. Sehr, sehr ruhig. Selbst am Marktplatz vermittelt sich an einem Freitagnachmittag weniger der Eindruck, hier klappe man Bürgersteige frühzeitig hoch, als vielmehr der, man klappe sie erst gar nicht runter. Einen Vormittag später findet ein Blumenmarkt statt. Da herrscht kurzzeitig mal Betrieb. Danach gilt wieder, was oft zu hören ist: Diese Stadt, die zusammen mit Wittenberg Luthergedenkstätten als Unesco-Weltkulturerbe beherbergt, wirkt so gut wie tot.
Im museal gewordenen Sterbehaus Luthers, in dem er aber gar nicht starb – man verwechselte später die Häuser –, prangt ein Satz des Reformators an der Wand, den er einen Tag vor seinem Tod 1546 gesagt haben soll: „Ich bin hier in Eisleben geboren und getauft worden – was, wenn ich hier bleiben sollte?“ Ähnliches scheint man sich heutzutage immer noch oder wieder zu fragen.
Und dann tritt plötzlich, in einem wohl sonst eher leerstehenden Ladengeschäft, Landrat André Schröder (CDU) ans Pult und schlägt vor: „Sagen wir nicht mehr Lutherstadt Eisleben, sagen wir Geisterstadt Eisleben! Der geistvolle Landkreis! Machen wir einen Themenpark rund um den Geist!“
Er sagt das in einer Rolle. Als Meister der Luther-Loge hat Schröder im inszenierten Stadtspaziergang des Theaters ebenso einen Gastauftritt wie der parteilose Bürgermeister...
Erschienen am 17.5.2026
















