Vor zehn Jahren rief mich mein Vater zu sich. Er würde nicht mehr lange leben und wolle mir noch etwas geben. Seine gesammelten Gläser interessierten mich nicht. Ich wollte mit ihm reden, wollte wissen, wie und warum er 1969 aus der DDR geflohen war, wie er all die Jahre gelebt hatte und ob er homosexuell sei. „Kann man nicht die Menschen lieben?“, antwortete er.
Zehn Jahre nach dem Tod meines Vaters begann eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualität in der DDR. Die Geschichte meines Vaters sollte den Kern einer Performance bilden. Ererbtes Material, Briefe und Fotos, die meinen Vater als homosexuell outeten, ließen Fragen auftauchen. Wie gehen wir mit dem Schweigen, den Geheimnissen in unseren Familien um? Das Team führte Gespräche mit Menschen, die offen oder verdeckt homosexuell leben. Im Schwulen Museum Berlin lasen wir Berichte von Protagonist*innen der homosexuellen Emanzipationsbewegung der DDR, suchten den Kontakt zur queeren Community Ü70. Wie erfuhren, dass „queer“ ein schillernder Begriff ist, der weder in den Gender Studies noch in den queeren Bewegungen eindeutig definiert ist. Die Kategorie des Geschlechts als Teil der Identität wird grundsätzlich in Frage gestellt.
Wie „queer“ können die Puppen für unsere Performance aussehen, fragten wir uns. Wir bauten...