Einheit des Gegensätzlichen. »Ballett ’85« in Gera
Aus TdZ 7/1985
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Alljährlich Ballett-Tage in Gera – diesmal bereits die neunten. Mit Gastspielen des Berliner Staatsopernballetts sowie der Palucca Schule Dresden und einer Premiere des hauseigenen Ensembles: der zweigeteilten Produktion »Ballett ’85«.
Seit Djagilew ist es angängig, aus Tschaikowski/Petipas Meisterwerk nur den 3. Akt, das große Divertissement, unter der Bezeichnung »Aurora’s Wedding« auf die Bühne zu bringen. Um den Zusammenhang zur Geschichte nicht zu verlieren, entschloß sich Inge Berg-Peters zu einer erweiterten Variante. So läßt sie ihre Version mit dem 2. Akt, Ende des zweiten Bildes, beginnen: Gute und böse Fee werden kurz als Kontrahenten eingeführt; Hornsignale mahnen die Jagdgesellschaft zum Aufbruch, nur Désiré bleibt zurück; die gute Fee lenkt des Prinzen Sehnsucht nach Liebe auf die schlafende Schöne; er überwindet die böse Fee, küßt seine Angebetete ins Leben zurück – das Hochzeitsfest kann seinen Lauf nehmen. »Dornröschens Erwachen« nennt die Choreographin ihre einfühlsame Fassung; daß sie musikalisch abrupt einsetzt, ist der Preis für die Amputation eines in sich geschlossenen Werks. Was Berg-Peters mit ihrer Truppe auf die Beine stellt (durchaus im wörtlichen Sinn), ist beachtlich. Drei wesentliche Teile werden in der Originalchoreographie Petipas gezeigt: der Pas de quatre der Juwelenfeen und die Grand Pas de deux Blauer Vogel/Prinzessin Florine bzw....
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