Aufruf
TdZ+ ProEinleitung
Erschienen in: Recherchen 168: Der urheberrechtliche Schutz performativer Kunst – Theater, Aktion, Performance (09/2023)
Originaltitel in der Printausgabe: I This is so contemporary

»Aller Platonismus aber,
alle Spekulation neigt zur Mißachtung
des tatsächlich Gegebenen.«
Dessoir I.c, S. 10
I This is so contemporary
Auf der 51. Internationalen Kunstausstellung der Biennale von Venedig fand ein originelles und eigentümliches Ereignis statt. Der Berliner Künstler und Diplom-Volkswirt Tino Sehgal präsentierte im deutschen Pavillon seine Arbeit »This is so contemporary«: Die Arbeit bestand darin, dass, sobald ein Besucher1 den leeren Pavillon betrat, drei uniformierte Museumswärter den Besucher tanzend umkreisten und rhythmisch immer wieder den Titelsatz riefen, »This is so contemporary, contemporary, contemporary! Tino Sehgal«.2
Mit dieser Arbeit schuf Sehgal eine Situation, die weder unter die urheberrechtlich geschützte Werkkategorie der bildenden Kunst noch unter die der Literatur im Sinne von § 2 Abs. 1 UrhG zu subsumieren gewesen wäre. Sehgal stellte mit »This is so contemporary« kein Artefakt her, dessen körperlicher Gegenstand den Besuch des deutschen Pavillons überdauern würde. Der Vollzug der Anweisungen von Sehgal diente aber auch nicht der Darstellung einer fiktiven Welt. Vielmehr entwickelte Sehgal mit seiner Arbeit »This is so contemporary« eine Form von Kunst, die allein in dem Moment Gestalt annimmt, in der man ihr hic et nunc begegnet.
II Die gesetzliche Regelung des Urheberschutzes
Da der Urheberrechtsschutz nicht von der Einordnung...
















