Jago der windige und bestialische Heuchler »Othello und Desdemona« an der Komischen Oper Berlin
Aus TdZ 11/1988
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Nach vielen Versuchen als choreographierende Tänzerin bei Tom Schilling (Komische Oper), Harald Wandtke (Staatsoper Dresden) und als Leiterin des Tanztheaters am Staatsschauspiel Dresden inszenierte Arila Siegert an der Komischen Oper ihr erstes abendfüllendes Ballett: »Othello und Desdemona« nach Shakespeare und einer Ballett-Idee von John Neumeier, mit eigenem Libretto und mit der in ihrer Originalgestalt kaum angetasteten Musik von Gerald Humel – ein anspruchsvolles Werk.
Ballett – Tanztheaterstück – Tänzerisch-gestisches Gebärdenspiel? Siegert wirft dem Zuschauer eine Nuß vor, die zu knacken schwer fällt, doch so reizt, daß in jeder der ersten Vorstellungen kaum ein Platz im Zuschauerraum leer blieb und die Reaktion nach dem betroffen machenden Finale in Beifalls-Ovationen gipfelte. Während der Aufführung wird man Zeuge einer beklemmenden Vision. Othello schenkt seine Gunst der Person seines Vertrauens Cassio. Sein anderer Mitstreiter, Jago, wird auf Rang zwei niedergedrückt, was der, ein Mann voller Tatkraft, als Einschränkung seiner Handlungsmöglichkeiten empfindet. Dagegen wehrt er sich auf seine Weise:
Er dient seinem Herrn mit doppeltem Gesicht, rafft alle Fäden, täuscht Untreue Desdemonas vor, zwingt Othello physisch zu Boden, macht ihn zum Narren seiner Untergebenen, schafft seine Helfershelfer und gefährlichen Mitwisser Cassio und Rodrigo aus der Welt, treibt Othello zum Wahnsinnsmord und verschafft sich...
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