Erfurt: »Geschichte vom tapferen Schneiderlein«
Aus TdZ 3/1979
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Siegfried Tiefensees »Geschichte vom tapferen Schneiderlein« nach Norbert Solgas Libretto ist ein Ballett für die »ganz Kleinen« des Vorschulalters und der ersten Schuljahre. Entsprechend der Vorgabe schuf Sigrid Trittmacher-Koch eine action-Choreographie mit einer geschickten Mischung von Klassisch, Modern, Pantomimisch-Gestischem und Parodie. Man darf das Ballett zu den gelungenen Neuheiten des Genres rechnen, die in den letzten Jahren zu erleben waren (wie z. B. Bernd Wefelmeyers »Weihnachtsgans Auguste«, Karl-Rudi Griesbachs »Reinecke Fuchs«, Jiří Pauers DDR-erstaufgeführte »Ameise Ferdinand«).
Tiefensee, der erfahrene und spezialisierte Komponist von Musik für Kinder, hat 1973, ebenfalls für Erfurt, die vielgespielte Kinderoper »Vom Äffchen, das eine Brille trug« geschrieben. Sein Tanzspiel »Mascha und der Bär« erfreute sich großer Beliebtheit. Die erfolgreiche Uraufführung des »Schneiderleins« kommt also nicht von ungefähr.
Er erzielt in seiner Musik klangliche Klarheit, indem er moderne tänzerische Elemente und Themen aus Kompositionen Jean-Philippe Rameaus verknüpft. Er folgte außerdem jenem stilistischen Prinzip, über das er in einem Interview sagte: »Ich meine, daß man ... im Kindermusiktheater Stilmittel der Jazz-, Beat- und Tanzmusik, besonders in bezug auf die Rhythmik, nicht unberücksichtigt lassen kann, ohne an den Zuhörern vorbeizumusizieren.«
Tiefensee erzielt in seiner neuen Ballettmusik mit Sensibilität und handwerklicher Souveränität tänzerische Prägnanz und szenische Anschaulichkeit: die nervös-schwirrende...
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