Nicht klüger als der ZuschauerHebbel-Theater Berlin: »Whisky & Flags«
Aus NZ, 3.2.1994
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Wenn Jo Fabians Stück »Whisky & Flags« jenen dichtgepackten Vorstellungszyklus eröffnet, in dem der deutsche Beitrag für den internationalen Choreographenwettbewerb von Bagnolet ermittelt werden soll, ist dies zugleich die erste Zusammenarbeit zwischen dem Inszenator und dem Hebbel-Theater. Mit dem Avantgardehaus wird ihn nach dem Willen von Intendantin Nele Hertling künftig ein Patenschaftsvertrag verbinden, dessen erstes künstlerisches Ergebnis Ende 1994 zu besichtigen sein soll.
Fabians Theatralik, seine engagierte, handwerklich professionelle Auseinandersetzung mit der Welt hat Hertling zu diesem Schritt bewogen. Sie glaubt an seine Kraft, dem Theater vermittels Bewegung und Sprache frische Impulse zu verleihen, und sieht seine Form des Tanztheaters dort angesiedelt, wo Kresnik firmiert: beim gegenwartsbezogenen Bewegungstheater. Fabian seinerseits hofft auf konzeptionelle Partnerschaft und den produktiven Austausch über künstlerische Prozesse, vor- und mitdenkend. Das würde ihm erlauben, an seinem Modell von Theater weiter zu experimentieren, ohne kommerziell werden zu müssen.
Fabian, Anfang dreißig und gebürtiger Berliner, hat in Rostock Schauspiel studiert, in Gera und Meiningen debütiert und sich bald als Tanztheaterregisseur ausprobiert. Leipzig, Dessau und Cottbus boten ihm hierfür Möglichkeiten. Seine Stücke erregten Aufsehen, spalteten die Zuschauerschaft in Ablehner und Befürworter. Seit mehreren Spielzeiten hat er mit seinem kleinen, nach Bedarf zusammengestellten Künstlerteam »Example« am Berliner Theater...
.jpeg&w=3840&q=75)















