»Kleistiana« in Frankfurt/Oder
Aus TdZ 1/1994
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Frankfurt an der Oder: mit europäischer Universität auf dem Weg zu einem geistig-kulturellen Verkehrsknotenpunkt im Herzen des Kontinents, Brückenschlag zwischen Ost und West. Zum kulturellen Selbstverständnis der Stadt gehört, ihren Musen-Sohn zu ehren. Das Theater, mit Kleists Namen im Wappen seit den 50er Jahren, hat diese Verpflichtung immer gespürt, die marktwirtschaftlich erfahrene Intendantin Maria-Luise Preuß nutzt das Aushängeschild zur Imagepflege und als Touristenattraktion.
Seine Geburtsstadt rechnet es sich zur Ehre an, nicht nur dessen Stücke auf die Bühne zu bringen, sondern den tragisch scheiternden Dichter zur zentralen Figur einer Uraufführung gekürt zu haben. »Kleistiana« eröffnete die 3. Kleist-Festtage der Nachwendeära. Dietmar Seyffert, Autor, Regisseur und Choreograph, entschied sich für ein häufig praktiziertes Bauprinzip. Er konfrontiert den Schöpfer mit Gestalten seiner künstlerischen Phantasie und postuliert, sie seien der ideelle Ersatz für real nicht stattgehabte oder ausgelebte zwischenmenschliche Beziehungen. Kleists distanziertes Verhältnis zu Frauen ist der Angelpunkt jenes knapp zweistündigen Tanz-Schau-Spiels; gemeinschaftliches Sterben scheint die einzige Perspektive, die der Todessehnsüchtige ihnen, wie auch manchem seiner Freunde, anzubieten weiß.
Gemäß der Stückbezeichnung setzt Seyffert (eigene) Texte, Musik, Songs, Tanz und inszenatorische Elemente für seine Kreation ein. Prolog und Epilog rahmen deren vier Bilder. Vier Episoden aus Kleists Leben sind es, die sie überhöht...
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