Wo bleibt das Publikum?Das Chemnitzer Ballett kämpft gegen ein leeres Parkett
Aus NZ, 19.3.1994
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Unbeschadet hat er allen hitzigen Redescharmützeln um seine Zukunft widerstanden: der überdimensionale, aus Granit geformte Kopf des Karl Marx. Nur einen Steinwurf entfernt vom Monument für jenen Philosophen, der mehrere Dezennien als Namenspatron der Stadt diente, steht auf restauriertem Platz das funkelnd herausgeputzte Chemnitzer Opernhaus.
Nach mehrjähriger Rekonstruktion, außen historisch, innen geschmackvoll modern, wurde es im Dezember 1992 festlich eröffnet und beherbergt wieder das Ballettensemble. Damit konnte es seine Interimsspielstätte, den Luxor-Palast, verlassen. Geleitet wird die aus zwanzig Damen und zwölf Herren bestehende Kompanie von Ballettdirektor Gottfried Messenbrink, künstlerisch geführt von Chefchoreograph Hermann Rudolph. Wenn von Tanzschöpfern die Rede ist, die dem DDR-Ballett zu Profil verhalfen, muß, neben Tom Schilling, Rudolph genannt werden.
Auf mehr als fünfzig dürfte die Zahl seiner Werke angewachsen sein. Etwa die Hälfte von ihnen schuf der 1935 in Chemnitz Geborene für das Ensemble seiner Heimatstadt. Bereits zwischen 1967 und 1977 war er hier Ballettchef. Als er, nach der Ausbildung in Berlin und Tänzer-Engagements in Leipzig und an der Komischen Oper Berlin, zweiundzwanzigjährig in Potsdam seine erste Choreographenstelle antrat, galt er als jüngster Tanzmeister des Landes. Seinem Chemnitzer Jahrzehnt sollte es vorbehalten bleiben, den Namen Hermann Rudolph zu popularisieren. Neben Inszenierungen gängiger Handlungsballette, von...
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