Scheunenviertel-Story?Komische Oper Berlin: »Undine«
Aus TdZ 3/1992
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Die »Undine«-Inszenierung Tom Schillings aus dem Jahre 1970 genießt bis heute legendär-verklärende Erinnerung.
Damit mußte Arila Siegert, indirekt choreographische Meisterschülerin Schillings, fertig werden, als sie Hans Werner Henzes sensibles Märchenballett »Undine« neu inszenierte.
Sie ging konzeptionell eigene Wege. Ihr Palemon hat nichts gemein mit einem Märchen-Ritter. Er lebt in einem kargen Zimmer mit Eisenbett und eisernem Küchenabfluß. Der Raum könnte in einem Abrißhaus, vielleicht im Berliner»Scheunenviertel«, die Zeiten überdauert haben.
Palemons Freunde sind nicht Höflinge, sondern Jugendliche aus Kneipen und Discos. Und Beatrice ist eine flotte Biene im Mini, mit sinnlich langem Haar. Weshalb er ihr eine andere vorzieht, bleibt sein Rätsel.
Vielleicht, weil Undine sich von allen und allem, was ihm bekannt, abhebt. Das vermag sie, weil sie ihm nur im Traum erscheint. Als würde sein altersschwaches Haus bersten, reißt in die Zimmerwand ein Spalt, durch den Undine hereinschreitet. Eine hehre, schlanke Frauengestalt im Trikot, überrascht von ihm wie er von ihr. Er greift sie wie einen Fisch, sie genießt seine sanften Zärtlichkeiten wie ein Wunder. Welten treffen aufeinander, wie früher, sollte einem Ost-Jüngling das Wunder eines West-Mädchens beschieden (gewesen) sein.
Doch später, die Trios Palemon – Beatrice – Undine, Erscheinungen seiner Phantasie? Oder: Die Zwiesprache der rivalisierenden...
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