Todeskuss einer trauernden Nixe»Undine« an der Komischen Oper
Aus NZ, 15.1.1992
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Ihren ersten Auftritt der Neuzeit in Berlin hatte die Wasserfee Undine 1970 an der Komischen Oper in der anrührenden Version Tom Schillings, mit dem Paradepaar Hannelore Bey/Roland Gawlik in den Hauptrollen. 1987 zog dann die Deutsche Staatsoper nach: mit einer ins Heute gerückten Lesart von Youri Vámos, in der einem Piloten nach dem Inferno jenes Wasserwesen als Inkarnation des Lebenwollens erscheint. Nun ist Undine zurückgekehrt in die Komische Oper, wo diesmal Gastchoreographin Arila Siegert sie aus den Fluten steigen läßt. Daß eine romantische Deutung des 1958 in London uraufgeführten Balletts nicht zu erwarten war, stand außer Zweifel gilt die vom Ausdruckstanz beeinflußte Choreographin doch als Protagonistin ostdeutschen Tanztheaters. Mit »Othello und Desdemona« erzielte sie auf der Felsenstein-Bühne einen beachtlichen Erfolg. »Undine« nach der Partitur von Hans Werner Henze soll den mit dem Tanztheaterensemble begonnenen Arbeitsprozeß fortführen.
Palemon ist im Siegertschen Libretto der Bursche von nebenan, dem Überfluß und Überdruß das Leben einengen. Folgerichtig steht er eingangs unter einem lastenden Baldachin in Skelettbauweise, aufblasbares Zelt, Tunnel oder Modell der Stahlkonstruktion eines Berliner S-Bahnhofs, und tut seinen Unmut in kämpferischen Boxstößen kund. Seine Kumpel nebst Freundin Beatrice sind es nicht, nach deren Gesellschaft ihm der Sinn steht. In seinem Zimmer, einer...
















