Albtraum mit drei unheiligen Königen: Saba Hosseini und Ioana Nițulescu sowie Jonathan Perleth, Iman Tekle und Florian Thongsap Welsch in Jena "rhapsody".Foto: Joachim Dette/Theaterhaus Jena
Die neue Ära kündigt sich außergewöhnlich an: mit einem Theatervorhang! Blau und gewellt hängt er vor dem wie üblich um neunzig Grad gedrehten Guckkasten, zur Seitenbühne hin, die seit langer Zeit den Zuschauerraum beherbergt. Jenas Theater besteht nur aus einem Bühnenhaus. Und ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, in den vergangenen drei Jahrzehnten hier schonmal einen Vorhang gesehen zu haben. Er dürfte allerdings, so, wie er da jetzt hängt und bald hin und her schwankt, auch kaum zum neuen Standard erhoben worden sein von einem oder für ein Team, das soeben dieses Theaterhaus übernommen hat, zunächst für drei, maximal für sieben Jahre.
Dieser Vorhang gehört vielmehr zweifelsfrei zur Eröffnungsinszenierung von Azeret Koua als Autorin und Regisseurin. Die junge Frau aus Detroit mit familiären Wurzeln auch in der Elfenbeinküste, die neben Nordamerika in Deutschland und China aufwuchs, ist Mitglied der fünfköpfigen künstlerischen Leitung des Hauses. Für deren ersten Aufschlag, so kann man es nachlesen, fragte sie sich: „Wie sieht im Jahr 2024 eine Feier des Theaters aus?“ Die Gedanken- und Gefühlswelt dahinter wird mit zwei kulturellen Meilensteinen des Jahres 1924 abgesteckt: mit Gershwins Rhapsody in Blue und Bretons Surrealistischem Manifest. Beide spielen in der Aufführung allerdings keinerlei konkrete Rolle.