Man kann sich nie ganz sicher sein, ob man so etwas darf: Szenen spielen, die den Islam(ismus) darstellen, mit Mitteln, die an Satire grenzen. Das heißt, man darf natürlich alles, wir leben ja in einem freien Land, aber was werden die Betroffenen sagen? Also ist gleich am Anfang des Essener Abends eine Schrifttafel zu sehen, auf der steht, dass einige der folgenden Szenen unter Umständen religiöse Gefühle verletzen könnten und dass der Zuschauer, sollte er etwas Auffälliges/Verdächtiges um sich herum bemerken, sich nicht scheuen möge, „die Vorstellung zu unterbrechen“.
Diese Geste entpuppt sich bald als Teil einer Irritationsstrategie, mit der Hermann Schmidt-Rahmer Mark Ravenhills Kurzdramenzyklus zum Themenkomplex Islamismus/Innere Sicherheit/Irakkrieg aus dem Jahr 2007 anreichert und aktualisiert. Ganz anders als bei der deutschen Erstaufführung des Stücks 2010 am Düsseldorfer Schauspielhaus, wo der Text streng exekutiert wurde, begreift der Regisseur die locker aneinandergefügten Szenen als Spielvorlage, mit dem Akzent auf: Spielen. Gespielt wird im Grillo-Theater – auf virtuose Art und Weise – mit den gröbsten Klischees, den tiefsten Ängsten, den abstrusesten Verdächtigungen. Und nicht immer ist Gut und Böse fein säuberlich sortiert.
Die fast leere Bühne zeigt ein Modellhäuschen mit einem dicken fetten Kreuz auf dem Giebel. Wir sind bei Christen! Der...