Gedankenschwere KostKomische Oper Berlin: »Tanz-Theater-Forum VII«
Aus TdZ 6/1990
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Den sechs Folgen des Tanztheater-Forums schloß sich nach zweijähriger Pause die siebte Ausgabe an. Herzstück der Produktion sind drei uraufgeführte Arbeiten. Zwei von ihnen gelten gleichzeitig als Diplombelege der Berliner Choreographie-Studentinnen Carla Börner und Dominique Efstratiou; dritter im Bund ist der junge Schweizer Tanzschöpfer Erwin Fritsche. Gedankenschwere Kost verordnet das Jungchoreographen-Trio seinen Zuschauern.
»Alltägliche Apokalypse« von Carla Börner versteht das alttestamentarische Sujet als Gleichnis auf die Zerstörung im Zwischenmenschlichen. Vier grau trikotierte Gestalten hocken reglos auf Eisenstühlen, deren Untergestell den Umriß eines Davidsterns markiert. Daneben ein Eisengerüst, dessen Silhouette den hebräischen Buchstaben Nabla zeichnet. Zu einer schichtenreichen, zerklüfteten warmtönigen Komposition Friedrich Schenkers (»Landschaften für großes Orchester«), collagiert mit Texten aus der Apokalypse (Offenbarung Johannes, 6. Kap.) und Geräuschen, spielen die Tänzer Situationen durch: Distanz; Nähe und Gefesseltsein; Kälte; babylonische Sprachverwirrung. In rüden Duetten mit Partnerwechsel lebt sich Besitzenwollen aus. An Kontaktunfähigkeit gehen die vier zugrunde – wie gekreuzigt hängen sie in dem Eisengerüst. – Dieses Menetekel kleidet Börner in eine herbe, holzschnittartig kantige, expressive Bewegungssprache mit Körperdurchdringungen, Schleuderungen, einem bizarr-abstrakten Gestus der Hände. So klar sich das Grundanliegen vermittelt – im Detail löst sich die Form von der Aussage. Eine beeindruckende Arbeit.
Vom Umgang des Menschen mit dem Menschen...
.jpeg&w=3840&q=75)















