Und wie weiter? Tanzforum Berlin im Theater am Park: »Kontraste ’90«
Aus TdZ 6/1990
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Die Welt ist in Bewegung geraten, die Welt zwischen Rostock und Suhl, Magdeburg und Frankfurt (Oder). Dieser so erfrischende wie lebensnotwendige Prozeß macht auch vor der Nationalen Volksarmee und ihrem künstlerischen Propagandainstrument, dem Erich-Weinert-Ensemble, nicht halt. Mehr als 30 Jahre lang haben die einzelnen Sparten jenes Über-Kollektivs vor Soldaten für das Soldatensein geworben und den Adressaten Kultur ins unfreiwillig bezogene Kasernen-Heim gebracht, was nicht von Schaden war. Da die Zeichen der Zeit auf Entspannung stehen, muß das Armee-Ensemble über Perspektive und Profil nachdenken. Den Namen des Magdeburger Arbeiterdichters hat es abgelegt, schöpferische Aktivität herrscht in den Sparten – sie separieren sich, denn jene großangelegten Kampagne-Veranstaltungen zum Lobe des Soldatenlebens wird es nicht mehr geben.
Auch das Ballett der Ex-Weinerts sinnt über seine Zukunft nach. Hatte es während der letzten Jahre versucht, fortzukommen von den plakativen Soldatentänzen und sich allgemein-künstlerischen Aufgaben zu widmen, wird ein solcher Trend in der Folgezeit, falls es eine gibt, zur Überlebensstrategie werden. Daß das Weinert-Ballett bei den DDR-Ballettwettbewerben regelmäßig mit Preisträgern unter den Tänzern, jüngst auch unter den Choreographen, aufwarten konnte, schlägt der Förderpolitik seines langgedienten Leiters Peter Büttner ebenso zu Buche wie jene Hinwendung zu außermilitärischen Themen. Insofern stellt das »Kontraste ’90« betitelte...
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