Staatsschauspiel Dresden: »HerzSchläge«
Aus TdZ 8/1987
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Arila Siegert fand eine Basis, auf der sie ihr Tanztheaterkonzept realisieren kann. Das Staatsschauspiel Dresden bot ihr Domizil, und so konnte das »Tanztheater im Schauspielhaus« mit seiner ersten Premiere zu Disputen herausfordern.
Siegert, gegenwärtig noch einzige Tänzerin der neuen Sparte, zog für ihre dreigeteilte Inszenierung »HerzSchläge« Interpreten-Partner hinzu. Für Teil I »Ophelia« nach Shakespeare, in dem sie auf das Problem der Erniedrigung der Frau hinweist, die Sängerin Annette Jahns, die mit warmherziger Stimme und in ihrer Gestik Klage und Trost verkörpert. Sie zeigt Verstehen und Mitgefühl für das Wesen Ophelia, das zu niedrigen Verrichtungen verdammt scheint und nirgendwo Ohr für den Schrei ihrer Seele findet. Teil II »Kassandra« zeigt die schwarzgekleidete, einsame Frau, die sich herausfordernd, fragend, vorwurfsvoll an die Mitmenschen wendet. Partner sind die Große Trommel, die von »Ophelia« (mit »Solitude III« von Wilfried Krätzschmar und eigenen Improvisationen des Schlagzeugers Karl Jungnickel) in »Kassandra« überleitet, sowie die Kammermusik »Kassandra-Rufe« von Grete von Zieritz. Teil III »Herakles« (nach Heiner Müllers »Zement«-Interludium), das schier vergebliche Bemühen, über sich hinauszuwachsen, bietet die musikalisch am stärksten beeindruckende Partnerschaft. Konrad Bauer, Free-Jazz-Posaunist aus Berlin, improvisiert ein solistisches Musikdrama mit frappierenden akustischen Wirkungen.
Die Darstellung des durch Zwänge Gefangenseins der Frau, um die es...
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