Karl-Marx-Stadt: »Le Papillon«
Aus TdZ 6/1984
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Wer Brigitte Preuß’ Art zu choreographieren kannte, war gespannt, wie eigenwillig sie Offenbachs Ballett »Le Papillon« bieten würde. Die Überraschung blieb nicht aus: sie choreographierte ein »weißes Bild«, das »Giselle« und »Schwanensee« Ehre machen würde. Im 2. Akt, der Waldlichtung, ergeben sich zwölf plus vier Solo-Schmetterlinge in betörend sinnlichduftigen, weißen Gazekleidchen ihrer Lust am ungezwungenen Bewegungsspiel. Was die Tänzerinnen des Karl-Marx-Städter Ensembles auf Spitze zu bewältigen haben, an Haltung, Gelöstheit, Bewegungsfluß, das ging an die Grenze ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Dennoch gebührt den Damen Lob für ihren Willen, die Anforderungen zu meistern. Ich gestehe, daß mich die Ästhetik des Bildes dennoch irritierte – neue Choreographie in historischem Stil ...
Verglichen mit der Dresdner DDR-Erstaufführung 1982 erdachte Brigitte Preuß eine veränderte Handlungsversion, nach der das Stück nicht »Le Papillon«, sondern »Die Fürstin« heißen müßte. Denn vor allem geht’s um deren Bemühungen, das Altern von sich abzuwenden. Aber weder Manipulationen noch Zauberei helfen. Sie blamiert sich am Ende so peinlich, daß sie – sich sichtbar blau ärgernd – in die Höhe fährt. Ihre vier Zofen, zu Schmetterlingen verwandelt, nehmen wieder Mädchengestalt an, zwei von ihnen können sich ihren Liebhabern, dem Gärtner bzw. dem Prinzen, hingeben.
Das gesamte Ensemble engagierte sich vollkommen...
.jpeg&w=3840&q=75)















