Dresden: »Der Dompteur«
Aus UK 3/82
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Die Transponierung von Geschehnissen in der Manege auf die Theaterbühne, die theatralische Modellierung der Zirkusatmosphäre bedeutet eine doppelte Brechung und ist auch ästhetisch interessant.
Jüngstes Beispiel: das im Auftrag der Dresdner Staatsoper nach einer Idee von Emöke Pöstényi entstandene Halbstundenballett »Der Dompteur«.
In das durch herabhängende Seile begrenzte, käfigartige Manegenrund tritt lässig der erfolgsverwöhnte Dompteur, mit straff nach hinten gekämmtem, pomadisiertem Haar, in Leder gehüllt, von eisiger Glätte. Durch ein Laufgitter werden die Tiere (Leoparden, Tiger, ein Löwe) eingelassen.
Nachdem sie auf ihren Podesten Platz genommen haben, läßt der Meister sie artistische Kunststücke vollführen. Verspätet kommt eine ungebändigte Löwin hinzu, ängstlich den Käfig durchmessend. Ihre öffentliche Zähmung soll die Glanznummer des Dompteurs werden. Verstört, in seiner Eitelkeit verletzt, flieht er vor dem widersetzlichen Tier. Die relative Freiheit genießend, entwickelt sich Liebe zwischen der Löwin und dem zu Bewußtheit erwachenden Löwen. Kraftstrotzend und mit imaginärer Peitsche kehrt der Dompteur zurück, zwingt den Tieren erneut seinen Willen auf und trennt das Paar. Bald hat er auch den Löwen wieder gebeugt; scheinbar willfährig läßt dieser sich den Fuß in den Nacken setzen. Alle, außer der Löwin, apportieren und nehmen ihre gewohnten Plätze ein. Unter Aufwendung seiner ganzen Brutalität gelingt es dem Dompteur, die...
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