Dresden: »Der Dompteur«
Aus TdZ 8/1981
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Dieser Abend stellte drei neue Choreographien vor, die das Konzept des Dresdner Staatsopernballetts veranschaulichen. Konstantin Russus »Streicherserenade« (nach Dvořáks gleichnamigem Orchesterwerk op. ٢٢) steht für intensives Auseinandersetzen mit dem klassisch-akademischen Tanz in moderner, szenischem Ausdruck verpflichteter Form. Harald Wandtke verwendet zur Gestaltung seines »Rattenfängers« (nach Václav Kučeras ebenso betiteltem Concertino für Flöte und zwei Kammerorchester) Elemente des Ausdruckstanzes. Und im uraufgeführten Ballett »Der Dompteur« (Musik Günther Fischer, Libretto und Choreographie Emöke Pöstényi) zeigt das Dresdner Ensemble Vertrautsein mit verschiedenen Stilarten bis hin zum Jazzdance.
Von den Staatstheatern Dresden beauftragt, schuf Pöstényi mit dem »Dompteur« ihre bisher reifste Choreographie und ein aufregendes Werk. Was Thomas Mann in seiner Novelle »Mario und der Zauberer« als außergewöhnliche Episode schildert, zeigt sie durch den Dressur-Vergleich als allgemeingültigere Abstraktion. Der Dompteur ist bei ihr der Inbegriff eines selbstherrlichen, eitlen, rücksichtslos brutalen Erfolgs-Karrieristen. Die Tiere – ein Löwenpaar, Leopardinnen und Tiger – sind Menschen, die sich den Demütigungen fügen, bis sie sich ihrer unwürdigen Lage bewußt werden. Bei Pöstényi ist es der Löwe, der das Wesen des Dompteurs durchschaut und seine stärkere Kraft spürt. Das gibt ihm den Mut, den Peiniger aus der Welt zu schaffen und zu einem würdigen Leben zu finden.
Die Faszination des...
















