Wiederbelebte Ballettkomödie
Aus TdZ 9/1981
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
»Don Parasol« an der Komischen Oper Berlin
Eines der 40 Ballette, die Paul Taglioni als Choreograph der Berliner Hofoper zwischen 1856 und 1883 schuf, erschien Ballettdirektor Bernd Köllinger mit seinen satirischen Handlungselementen (die preußisch absolutistische Herrschafts-Allüren parodieren) interessant, Unterhaltung bieten und nachdenkliches Schmunzeln auslösen zu können. In Köllingers Version wird das bei Taglioni in der Handlung nur Angerissene zum Ziel geführt und der selbstherrlich-ungerechte Titelheld-Herrscher am Ende von seinen Untertanen verlacht. Den Triumph kann das bei seinen Hochzeitsvorbereitungen gestörte Brautpaar Sylvia und Leo genießen.
Der »goldige« Landesfürst Don Parasol entdeckt seine reizende Untertanin Sylvia auf dem Heimweg von der Jagd. Er läßt sie entführen, um sie auf einem prunkvollen Fest umwerben zu können. Dort schlägt sie Leo mithilfe seiner Freunde heraus. Dennoch kann er sie nicht freien, weil der beleidigte Parasol ein landesweites Liebesverbot verhängt. Die jungen Leute überlisten ihren liebestollen Fürsten und bringen ihn mit der schrulligen Effekten-Hoflieferantin Madame Fauplas zusammen. Nun bei Übertretung des eigenen Gesetzes ertappt, wird Parasol von der Jugend in einen Käfig gesperrt und verspottet.
Taglionis Komponist war Peter Ludwig Hertel. Von der Partitur fehlt jede Spur; so wurde Ersatz bei Léo Delibes gefunden. Musiken aus seinen Balletten »La Source« und »Sylvia« stützen...
















