Heiteres und Nachdenkliches. Kammertanz der Komischen Oper
Aus TdZ 2/1980
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Mit Kammertanz überzeugte Tom Schilling zu Beginn seines Berliner Wirkens Felsenstein von seinen künstlerischen Vorstellungen – das war »La mer« mit Hannelore Bey und Roland Gawlik. In guter Erinnerung sind auch originelle, witzige Ballett-Miniaturen.
Im neuen Kammertanzabend »Kontraste« waren Schöpfungen von sechs Choreographen mit verschiedenartigen, ideelich und auch stilistisch kontrastierenden »Handschriften« zusammengefaßt.
Schilling zeigte seine »Abendlichen Tänze« nach Franz Schuberts Allegro c-Moll für Streichquartett und Adagio Es-Dur für Klavier, Violine und Violoncello. Mir erschien die Choreographie auf der kleinen Bühne des Gorki-Theaters lichter als innerhalb des Ballettabends »Gestalten und Klänge«. Die Trennung des Paares am Schluß schien weniger von der Härte des Todes geprägt, war eher ein sanftes Voneinander-Scheiden im Gefühl der Erfüllung. Versteht man das Ballett als gerafftes, auf wenige Ausschnitte beschränktes Abbild menschlicher Empfindungen mit Hoffnung, Frohsinn, Bedrohung, Hingabe und Abschied, so erlebt man in Schillings Gedanken eine sensibel ausgeglichene, zuversichtlich reale Lebenshaltung. In der Uraufführung vor einem Jahr hatte Hannelore Bey hingebungsvoll getanzt, diesmal war es Larissa Dobroshan. Sie stellte ernster, bewußter vorausahnend das in seinem Schicksal aufgehende Mädchen dar.
Ein Vorzug von Schillings Choreographie, eine empfindsam das Wesen der Komposition erspürende Musikalität, zeichnete auch das »Amerikanische Quartett« des Prager Choreographen Pavel Šmok aus. Ähnlich wie...
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