Gera: »Schneewittchen«
Aus TdZ 2/1980
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Nicht ausschließlich für Kinder komponiert, in Gera eigens für sie inszeniert und von ihnen am Schluß der Matinee mit Begeisterungsrufen aufgenommen: Griesbachs »Schneewittchen«, eines der erfolgreichsten DDR-Ballette. Während die per Tonband wiedergegebene Musik häufig auf grand ballet abzielte, blieb die Choreographie in ihrer Schlichtheit und Zweckmäßigkeit zumeist wohltuend unter deren Anspruch. Inge Berg-Peters kam ohne vordergründige Didaktik aus und wußte in ihrer gegenständlichen, stellenweise sehr musikalischen Choreographie mit geschickt einfachen Lösungen aufzuwarten. Indem sie die Fabel klar, logisch und zügig erzählen ließ, blieben Spannung und Interesse der Kinder an der Handlung durchgehend wach. Nach dem Höflings-Bild zu Eingang, das mit seinen ruckartigen Bewegungen und Tänzen Schillings Grotesk-Einfluß erkennbar machte, gelangen im weiteren teils sehr tänzerische Stellen, teils wurde in Sachen Komik der Musik choreographisch noch »eins draufgesetzt«, insbesondere bei den vielbelachten Zwergen-Szenen: Während Schneewittchen und sein Prinz nebst vier im Halbrund gruppierten Paaren klassische Sequenzen zum besten geben, vollführen die sieben Zwerge en face an der Rampe eine Fast-Parodie auf den klassischen Tanz. Hochgestochene Dramatik, musikalisch angestrebt in der Glassarg-Szene, wird durch den stolpernden Zwerg choreographisch gebrochen und zurückgeführt auf ein von Kindern rezipierbares Niveau: heiter, unterhaltend, flüssig erzählend. So rechtfertigen hauptsächlich die Zwerge als Träger der Komik von ihrer...
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