Getanzter Zeitkommentar. Performance von Dresdner Künstlerinnen
Aus DM, 14.5.1991
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Mit einem ungewöhnlichen Programm stellten sich in der Akademie am Hanseatenweg Dresdner Künstlerinnen vor. »Über allen Gipfeln ist UNRUH’« nennen Hanne Wandtke, Tänzerin, Choreographin, Ausdruckstanz-Pädagogin, und Antje Ladstätter, Pianistin und Korrepetitorin, ihre 1990 entstandene Performance. Zwischen Flügel und aufgetürmten Portabeln schaffen kreuz und quer gespannte Mullbinden ein labyrinthisches Gefängnis, das durch Töpfe mit Chlorophytum kaum wohnlicher wird. Nur gebückt vermag sich die Tänzerin zu bewegen: sie kriecht, tastet, rutscht, hangelt, fällt, verfängt sich in dem Strippengewirr. Blumentöpfe stürzen zu Boden.
In einer Aufwickelszene befreit sie sich von den Beschränkungen eine auch politisch gemeinte Metapher. Anfänglicher Freude folgen Leere und Untätigsein. Ihre Verunsicherung inmitten der neuen Verhältnisse bricht sich in Scheinaktivitäten Bahn, Blumengießen, Tanzsequenzen. Rote Handschuhe verleihen Selbstbewußtsein und geben Anlaß zu clowneskem Spiel mit lässigen Bodyposen und marschartigem Salutieren.
Ein positiver Ausbruchsversuch scheitert; den negativen vereitelt die mitagierende Pianistin. Ein lautmalerischer Dialog führt zu keiner sinnvollen Kommunikation. Am Ende sehen die zwei Frauen resignierend zu, wie ein trudelnder Kreisel sein Leben aushaucht.
Zeitkommentar und Persönlichkeitsdarstellung mag diese »Improvisation über festgelegtem Material«, so im Programmtext, sein. Nicht immer fügt sich das der plötzlichen Eingebung entquellende Spiel mit dem Requisit zu entschlüsselbaren Bildern, verfügt der Zuschauer über innere Ruhe, sich der ausgestellten...
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