Reine Seele – reine Welt, ein Nonsens!Theater der Stadt Cottbus: »Natter Erde. laß gut sein – ich mal mir was aus«
Aus TdZ 5/1991
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Beide Stücke befassen sich mit unserem Befinden in und mit der Umgebung, der Umwelt.
Eingestimmt auf solcherart Thematik wurde bereits vor dem Theater: Zwei ausgebrannte Pkws von irgendeinem Straßenrand, Fahnenschmuck aus Blechdosen, zwei Mönchlein, die Seelenfrieden im Tausch gegen eine Geldspende zugunsten eines guten Zwecks anboten. Elvira Schurig stellt ihrem Stück das Motto »... denn ein bißchen Glück ist genug« voran. Die erwachsenen Darsteller spielen Kinderszenen: Wettspiel um den freien Stuhl, erster Knabenblick auf bloßen Mädchenkörper, Blinde Kuh, Schulspeisung unter Aufsicht, Sandkasten, Braut und Bräutigam, Jugendweihe ... Das gleicht einem Erinnern an eigene Alpträume. Wie die Jungen frisch Marschieren üben, ein Mädchen von geilen Blicken verletzt wird, für alles Dank bezeugt werden muß. Der Spielraum – ein ländlicher Hof in Schulnähe, in brüchige Wände bzw. Drahtzaun gezwängt, links eine löchrige Klotür – beschwört Vergangenheit herauf. Die Distanz zum Erlebten teilen sich Darsteller und Zuschauer. Tanzend, agierend, sprechend, singend führen die Interpreten die allegorischen Kindheitsreminiszenzen vor. Persönlicher Spaß, viel mehr Frust, steigert sich in einer sarkastischen Jugendweihe-Parodie zu einer Art DDR-Syndrom.
Elvira Schurig hat sich offensichtlich Pina Bauschs »1980« genau angesehen. Auch sie baut ihr Stück aus einem scheinbar beziehungslosen Szenen-Mosaik voller beziehungsreicher Spannung, läßt die Darsteller unerfüllte Lebensziele aufsagen, treibt...
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