Bericht
Brücken bauen in alle Richtungen
Mathieu Bertholet startet seine Intendanz am Theater Neumarkt
von Martin Wigger
Erschienen in: Theater der Zeit: KI – Künstlerische Intelligenz? (09/2025)
Assoziationen: Akteur:innen Schweiz Mathieu Bertholet Theater Neumarkt

Genau 15 Jahre ist es nun her, dass ich ihm zum ersten Mal begegnet bin: Mathieu Bertholet. In einer gemeinsamen frühen Etappe am Theater Basel anlässlich des Stücklabors, eines bis heute zentralen Programms zur Förderung der Schweizer Gegenwartsdramatik. Damals war er vor allem: ein Autor. Und stand ein für die bis heute ungestillte Sehnsucht der Schweizer Theaterschaffenden nach Überwindung des sogenannten Röschtigrabens, der den deutsch- von dem französischsprachigen Raum trennt, und nach einer wie auch immer zu gestaltenden Verbindung der jeweils so unterschiedlichen Theaterszenen. Und selbst nach 15 Jahren scheint es so, als wäre Bertholet, 1977 im Wallis geboren, bis heute der einzige sichtbare Vertreter eines Theaters der Romandie. Nachdem er in Genf die letzten Jahre erfolgreich das Théâtre du Poche geleitet hat, ein unter seiner Intendanz überregional wahrgenommenes und (in diesem Fall: französisches) Sprechtheater, musste sich zwangsläufig erfüllen, was schon länger zu erwarten war: dass er irgendwann eine wichtige Rolle in der Theaterhauptstadt der Schweiz spielen wird. Mit Beginn dieser Spielzeit ist er nun der neue Intendant am Zürcher Neumarkt.
Treffend als „Systemspringer“ hat ihn, den Romand, gerade erst das Schweizer Magazin Republik bezeichnet, und um noch einmal auf diese grundsätzliche Sehnsucht nach Grenz- oder Grabenüberwindung zurückzukommen: Mathieu...