Tänzerisch bis ins Detail. »Romeo und Julia« in der Komischen Oper
Aus N-Z, 4.1.1984
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Nun steht sie in beiden Berliner Opernhäusern auf dem Spielplan: Prokofjews Meisterschöpfung »Romeo und Julia«. Nachdem das Ballett 1982 in der Deutschen Staatsoper Premiere hatte, stellte die Komische Oper eine eigene, gänzlich anders geartete Fassung (Bernd Köllinger) vor. Für Tom Schilling ist das die zweite Begegnung mit diesem Ballett, bereits vor elf Jahren hob er eine Version aus der Taufe. Die Hauptrollen tanzte damals das legendäre Paar Hannelore Bey/Roland Gawlik.
Es bröckelt in dieser neuerlichen Fassung nicht nur im Bühnenbild: Übermannshohes grauschwarzes Mauerwerk zieht sich beidseitig von der Vorbühne nach hinten und mündet in einer breiten Freitreppe Kirche, Marktplatz oder Arena , die auch rückwärts erklimmbar ist; durch wenige Requisiten, ein Bett, ein hängendes Wappen, ein zur Hälfte sichtbares Kruzifix, wird diese schlicht-praktikable Grunddekoration, über der ein rotschwarz gescheckter Plafond schwebt, zum jeweiligen Ort der Handlung. Die teils lädierten Treppenstufen symbolisieren den verblassenden Glanz der Veroneser Adelshäuser Capulet und Montague eine Gesellschaft an der Zeitenwende. Die Bindung Julias an den Grafen Paris ist deshalb für die Montagues notwendig, des Mädchens Weigerung gefährlich für die Familie.
Eine Beziehung zwischen den Kindern der verfeindeten Häuser kommt gesellschaftlich nicht in Frage unter der Last der herrschenden sozialen Konventionen...
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