Mahnendes Gewissen. Dreiteiliger Ballettabend in Erfurt
Aus TdZ 1/1984
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Was das Erfurter Ballettrepertoire seit Jahren auszeichnet, sind Vielseitigkeit in der Werkauswahl und Mut zu stilistischer Variabilität. Damit ist das Ensemble permanent klassisch, modern, »jazzig« gefordert. In der jüngsten Premiere drei Einakter: Schostakowitschs Choreographische Novelle nach Majakowski »Das Mädchen und der Rowdy«, Kabalewskis Ballett-Komödie »Heitere Maskerade«, Günthers Ballett in einem Akt »Sonnen am Horizont« als Uraufführung.
Vermag »Das Mädchen und der Rowdy« heute noch zu interessieren? Der Konflikt dieser Episode aus einem sowjetischen Vorstadtviertel des Jahres 1923 erweist sich als durchaus aktuell, denn es geht um die Achtung vor dem anderen, um lautere zwischenmenschliche Beziehungen junger Leute.
Die Rowdys in glatt schwarzem Leder, ihr Anführer trägt Irokesenschnitt, belästigen eine Gruppe Mädchen. Als »der Rowdy«, durch die Begegnung mit »dem Mädchen« (der Lehrerin) in seinem Wesen verändert, sich von der Bande absondert, sticht ihn der Anführer nieder. Erst nach diesem Ereignis kommen die Anderen zur Einsicht.
Expressiv und plastisch konkret Schostakowitschs Musik, der man nicht die nachträgliche Zusammenstellung für das Ballett anmerkt. Sigrid Trittmacher-Koch »horchte« in sie hinein, fand kongruente choreographische Lösungen. Das »Klassisch« für Rowdy und Mädchen erschien mir etwas zu »rein«. Der Rowdy wirkte von Beginn an höflicher, nachdenklicher als seine Kumpane, im Pas de deux verbanden er...
















