Theater der Zeit

Unerfüllte Sehnsucht »Wahlverwandtschaften« an der Komischen Oper

Aus TdZ 8/1983

von Dietmar Fritzsche

Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)

Assoziationen: Komische Oper Berlin

„Wahlverwandtschaften“, v. l. n. r.: Jens-Peter Urbich (Eduard), Jutta Deutschland (Charlotte), Hannelore Bey (Ottilie), Dieter Hülse (Hauptmann).
„Wahlverwandtschaften“, v. l. n. r.: Jens-Peter Urbich (Eduard), Jutta Deutschland (Charlotte), Hannelore Bey (Ottilie), Dieter Hülse (Hauptmann).Foto: Arwid Lagenpusch

Während die Romane von Hugo und Dumas schon zu Balletten angeregt hatten, gehörte Goethes Roman »Die Wahlverwandtschaften« zum von der Ballettwelt noch unentdeckten Terrain. Was verwundert, berührt doch der tragische Ehekonflikt Probleme gegenwärtigen familiären Alltags.

Charlotte und Eduard leben in Harmonie auf ihrem Landsitz. Eduards Freund, der Hauptmann, nimmt bei ihnen Quartier, und Charlottes Nichte Ottilie sucht hier, nach jahrelangem Internatsleben, familiäre Wärme. Von Eduard fasziniert, erlebt Ottilie das große Gefühl erster Liebe, und er entbrennt in heftiger, reifer Leidenschaft für das zarte Mädchen. Zwischen dem Hauptmann und Charlotte entsteht, zurückhaltend zunächst, tiefe Zuneigung. Noch einmal finden Charlotte und Eduard in zärtlicher Liebe zueinander – rasch richtet sich jedoch ihr wahres Verlangen auf den geliebten »fremden« Partner. Als Charlotte versucht, die alte eheliche Harmonie wiederherzustellen, verläßt Eduard beide Frauen und sucht – vergeblich – im Krieg den Tod. Das Kind, das der letzten Liebesbegegnung der Eheleute erwuchs, nimmt Ottilie in ihre Obhut. Es stirbt, als Ottilie es, abgelenkt vom unverhofft zurückkehrenden Eduard, aus den Augen verliert. Nun gibt Charlotte endlich nach. Doch Ottilie entsagt und scheidet aus dem Leben, Eduard folgt ihr »ins Nichts«.

Bernd Köllinger filtrierte aus Goethes Roman das szenisch weitgehend funktionierende Libretto und entschied...

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