Wanderung zum Altar der Liebe. Komische Oper: »Lebensräume«
Aus NZ, 2.6.1992
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Welchen Weg das Ballett der Komischen Oper im Nach-Schilling-Zeitalter einschlagen könnte, ließ jener erste Beitrag der letzten Premiere dieser Saison aufscheinen. Der niederländische Choreograph Jan Linkens, Tänzer in Het Nationale Ballet Amsterdam, hatte zwei herbe Kompositionen Paul Hindemiths, den Liederzyklus »Des Todes Tod« und Teile der Kammerkomposition »Der Dämon«, in einen gedanklichen Zusammenhang gebracht.
Fünfzehn Szenen beleuchten subtil am Exempel dreier Paare menschliche Liebesfähigkeit in verschiedenen Stationen und Entwicklungsstadien. Mann und Weib, zwei Frauen und zwei Burschen bilden diese Paare, deren spezifischem Verhältnis Linkens nachspürt, die er in ihrer Suche nach partnerschaftlicher Gemeinsamkeit beobachtend miteinander verflicht. »Lebensräume«, so der Titel, gilt es zu finden, die Enge überlieferter Konventionen zu überwinden. Der Choreograph verwendet einen dicht konzentrierenden, aufgeregt drängenden, raumgreifend furiosen Bewegungsstil, sprung- und schwungreich, expressiv und von erheblichem Tempo. Souverän weiß er den Raum zu nutzen, die Gruppe der solistischen Aktion einzuverweben und aus der reinen, balanchinesk-neoklassischen Bewegung berührende Emotionalität zu beziehen. Zwingend klar entwickelt sich das tänzerische Geschehen, ohne je dem musikalischen Stimmungsgehalt zuwiderzulaufen.
Auch wenn die Gestalten unter ihrer Isoliertheit zu leiden scheinen, bahnt sich ein Ausweg an: Der Raum öffnet sich auf ein Meer von Kerzen hin; diesem Altar ihrer Liebe wandern die drei Paare entgegen....
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