Mit de Fidel, mit de Fläut. Das Folklore-Tanz-Theater Neustrelitz
Aus NZ, 2.1.1993
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Am Anfang war das Staatliche Folklore-Ensemble der DDR, neben dem in Berlin ansässigen Staatlichen Tanzensemble und dem in Bautzen beheimateten sorbischen Brauchtumensemble die dritte wohlbehütete Folklorekompanie dieser Republik. Ausgezeichnete Arbeit bei der Erforschung, Bewahrung und bühnengemäßen Aufarbeitung nationalen Kulturerbes in Tanz, Musik und Gesang hatten alle drei in den rund vierzig Jahren ihres Bestehens geleistet und einen weltweit akklamierten Typus an stilisierter und dennoch authentischer Bühnenfolklore von hoher Kunstfertigkeit geschaffen, wie er in allen östlichen Staaten gepflegt wird, in den alten Bundesländern jedoch unbekannt ist. Ausbleibende staatliche Subventionen nach der Vereinigung brachten, außer der Berliner Truppe, auch jene inzwischen in Deutsches Folklore-Ensemble umbenannte Neustrelitzer Kompanie zu Fall. Übrig blieben deren Verwaltungs- und Probentrakt nebst vorzüglichen Ballettsälen und das Konzept des mit der Auflösung beauftragten Geschäftsführers Jürgen Goewe zur Neuformierung unter verändertem Denkansatz. Mit seinem Stellvertreter und Dramaturgen Bernd Köllinger, langjährig Ballettdirektor der Komischen Oper Berlin, und einem Stuttgarter Rechtsexperten entwickelte er die kühne Rechtskonstruktion eines von einer privaten Stiftung getragenen Folklore-Tanz-Theaters.
Künstlerisch liegt dieser Idee das Wissen um eine weltweite Tendenz zugrunde: Rettung tradierten Folkloreguts durch Einbindung in bislang ungewöhnliche, weil heutige Themen. In diese Richtung zielen auch die Intentionen des der Stiftung angeschlossenen Kollektivs...
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