Zu wenig Analyse und Tiefe. »Feindbilder« beim Tanztheater Cottbus
Aus MA, 19.1.1993
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Seit drei Jahren beherbergt Cottbus in seinem hinreißend restaurierten Jugendstiltheater ein Ballettensemble, das sich demonstrativ Tanztheater nennt und auf der Suche nach dem eigenen Profil ist. Mehreren Arbeiten für die Kammerbühne, allesamt Uraufführungen, folgte mit »Feindbilder« die zweite Neuschöpfung für das große Haus.
Ein gewichtiges, qualvoll zeitnahes Thema hat sich Inszenatorin Elvira Schurig gestellt. Reichlich inspiriert von Pina Bausch baut sie ihr beinah tanzfreies Stück. Schon bei geschlossenem Vorhang lassen Lichtkreuz, Blumenurnen, Kandelaber auf eine Grabkapelle schließen.
Das angeschrägte Bühnenbild erstreckt sich weit nach hinten und assoziiert bombengeborstene Kirche, Bunker mit Schießscharten, bröckelndes Schwimmbassin, Spielautomatensaal und, der drei Reihen blendend weißer Kreuze wegen, Friedhof. Stücklang geistert durch dieses Ambiente eine Frau in Weiß, halb Braut, halb Märtyrerin. Verbal porträtieren sich dreizehn Darsteller, manche mit Witz, bis ein ölig-selbstsicherer Conférencier auftaucht und die Situation klärt: Wir wohnen einem showhaften Ausscheid gewinnsüchtiger Kandidaten bei.
Was folgt, ist eine lineare Reihung von Episoden, unklar einige, viele zu klar, etliche plakativ, die bestenfalls als Materialsammlung zu einem künftigen Stück gelten können. Bereits die Zwiefunktion der Tänzer als Privatpersonen und Stückfiguren stiftet eher Verwirrung. Häufig verdichten sich Aktionen nicht zu Bildern und Aussagen, bleiben verselbständigt für sich stehen oder geraten platt wie die Werbespots für...
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