Kontrast der Stile. »Tanztheater-Forum V« in der Komischen Oper
Aus TdZ 4/1988
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Ein Jubiläum ist es schon, wenn das fünfte Programm einer dreieinhalb Jahre bestehenden Reihe (mit sieben Uraufführungen der kleineren Form) seine Premiere erlebt. Die beiden interessantesten Uraufführungen steuerte Birgit Scherzer bei. Das jüngste Angebot des Tanztheater-Ensembles der Komischen Oper, fast genau zwei Jahre vom vierten Forum getrennt, enthält drei Werke und setzt ganz auf den stilistischen Kontrast. Modern Dance, Klassik und Ausdruckstanz im Wettbewerb miteinander und um die Publikumsgunst.
Hatte Birgit Scherzer vor zwei Jahren mit »Concert in Frack und Hut« eine vielversprechende Arbeit vorgelegt, gelang ihr mit »Keith« ein choreographischer Wurf. Beide Werke zeichnet eine ansteckende Unbeschwertheit bis hin zur Ironie aus und die Gabe, Witz durch tänzerische Bewegung auszudrücken; beide Werke erzählen von jungen Menschen und ihren erwachenden Gefühlen. Konkurrieren im »Concert« zwei elegante Jünglinge um ein schüchtern-kokettes Mädchen, so stellt »Keith« am Beispiel von sieben Burschen betont extrovertiertes, grell-kerliges Verhalten in Gruppe der Introvertiertheit des sich unbeobachtet fühlenden Einzelwesens gegenüber, gestaltet den entwicklungsbedingten Widerspruch zwischen Schein und Sein.
Silhouettenartig heben sich sieben filigrane Gestalten in Nickis und locker fallenden Hosen vom lichtblauen Hintergrund ab. Kaum formieren sie sich zur Gruppe, macht sich ihr versuchtes Kerl-Sein in muskelprotzenden Posen und kraftstrotzenden Rufen Luft. Doch sobald jeder für sich...
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