Menschen in tragischer VerstrickungPremiere im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin
Aus NZ, 10.7.1991
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Seit Anfang des Jahres hat Schwerin wieder einen festen Choreographen. Joachim Ahne, langjähriger Ballettchef in Rostock, dann freischaffend, führte sich im Mecklenburgischen Staatstheater mit einem dreiteiligen Kammertanzabend ein. Zwei der Werke fanden den Weg ins Große Haus, ein architektonisches Kleinod, wo sie mit Strawinskys »Feuervogel« eine respektable Ballettproduktion bilden.
Tangos in ihrer Mischung aus Trivialität, Sentiment und Erotik stehen bei Choreographen in hoher Gunst. Ahne greift für seinen »Tango« nicht auf Piazzollas argentinische Bandoneon-Kompositionen zurück, sondern auf deren europäisierte Varianten, Schlager-Tangos wie »Tanze mit mir in den Morgen«, »Jealousie« oder »Hernando’s Hideaway«. Dieser gutbürgerlichen Klangkulisse, auf dem Akkordeon live gespielt, stülpt er ein fast zynisches Stück Tanztheater über. Menschen hocken einsam und anonym in der Tristesse einer Kneipe, um einander zu traktieren. Zuhälter, Gigolo, Dirne prallen aufeinander. Erteilen zwei Frauen einem eitlen Fratz noch Abfuhr, siegt im Hauptduett der Chauvie-Typ über eine Frau, die ihm, willfährig und gebrochen, verfallen scheint. Mit dem Fuß reicht er ihr Stühle, die sie zu einem Berg türmt, hinter dem sie reglos verharrt. Ein Rest Trotz oder letzte Kapitulation.
Ein Männerduett in ebenfalls moderner Bewegungstechnik steht im Mittelgrund des Abends. »Kain und Abel« meint in diesen biblischen Gestalten uns Heutige, das ewige Thema von...
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