Schwerin: »Orpheus und Eurydike«
Aus TdZ 1/1985
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Das Handlungsballett ist seine Stärke: Udo Wandtke choreographierte Glucks »Orpheus und Eurydike«. Er hat der Gefahr eines Nur-Doppelns des Gesangstextes zu begegnen. Dank reicher Fantasie meisterte er dieses Problem.
Für seine Libretto-Fassung erfand Wandtke die zusätzlichen Figuren Hades (der Eurydike begehrt und zu sich holt), die Schlange (deren tödlicher Biß Eurydike von Orpheus trennt) und Zerberus (der Orpheus den Zugang zur Unterwelt bissig verwehrt). Die Ouvertüre wird zum ersten Bild: Glückliche Hochzeitsfeier und schmerzliche Trennung der gerade Vermählten. Orpheus (Inkarnation des selbstbewußten Menschen) kann über die Mächte der Unterwelt siegen, weil er mit Nachdruck auf die Furien einwirkt, ihn ins Elysium einzulassen. Als er Eurydike erneut verliert, ist er auf die Rettungstat Amors angewiesen.
Orpheus ist die zentrale Figur, der Tänzer kommt fast nicht von der Bühne und vermag die Rolle überzeugend zu gestalten. Eurydike ist von zarter Beseeltheit und Eigensinn, organisch und flexibel in ihren Bewegungen. Oft fügten sich beide Ensembles, Chor und Tanz, zu nahtloser darstellerischer Geschlossenheit. Eine anregende und beeindruckende Aufführung!
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