Effektvolle Soli für Macbeth und die Lady. Kyrill Moltschanows Ballett an der Deutschen Staatsoper
Aus N-Z, 14.11.1984
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
»Macbeth«, das einzige Ballett des sowjetischen Komponisten Kyrill Moltschanow (1922–1983), erlebte 1980 im Moskauer Bolschoi seine Uraufführung. Libretto und Choreographie dieser »Szenen nach Shakespeare«, wie der Untertitel lautet, stammten von Wladimir Wassiljew. Seine Inszenierung mitsamt der Ausstattung Waleri Lewenthals übertrug er nun auf das Ensemble der Berliner Staatsoper. Gegenüber dem Shakespeare-Stück reduzierte er für sein zweiaktiges Libretto die Personnage auf die ihm wesentlichen Figuren: das Mörderpaar sowie seine Opfer Duncan, dessen Leibwächter und Banquo; gegen Schluß bedrängen die Geister dieser drei den angstgepeinigten König. So erfolgt eine Konzentration auf das Psychodrama des Macbeth als angemaßter Herrscher und seiner Lady M. Macdonald, Anführer des Norweger-Heeres, wird von einer Frau, die drei Hexen werden von Männern auf Spitze getanzt. In den Stricken der Hexen verfängt sich am Ende der von Visionen Verfolgte und stirbt. Die grundlegenden Motive und Drehpunkte des Geschehens übernimmt der Librettist von Shakespeare, bis auf den Mord an Banquo, den Macbeth nun eigenhändig begeht.
Wassiljew arbeitet plastisch die Zwangsläufigkeit im moralischen und geistig-körperlichen Verfall der nach absoluter Macht gierenden Eheleute heraus. Macbeth zeichnet er als latenten, schwachen Charakter, der des Anstachelns durch seine couragiertere, skrupellosere Gattin bedarf. Sie bedrängt, schmeichelt, fleht, droht, sie ohrfeigt den...
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