Landesbühnen Sachsen: »Reineke Fuchs«
Aus TdZ 7/1986
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Ein Tänzer wie Leander Ebeling kann gut dazu herausfordern, »Reineke Fuchs« zu inszenieren. Er verfügt über vielseitig-diffizile tänzerische und mimische Ausdrucksmittel, die gewiefte Gaunerfigur des Reineke, der klug und raffiniert die besser bestellte Konkurrenz austrickst, darzustellen. Hinterhältig demutsvoll erwartet Reineke-Ebeling seine Hinrichtung, groß spielt er nach der Begnadigung heilige Ergebenheit aus. Expressive Spannung, rasche Reaktionen, klare Gebärden zeichnen den Tänzerdarsteller in dieser dankbaren Rolle aus.
»Reineke Fuchs« (nach dem niederdeutschen Volksbuch aus dem Jahre 1498) ist gleichnishafte Satire auf räuberische Praktiken in Klassengesellschaften. Eva Hennig inszenierte mit ihrem Mut zu Neuem 1978 schon die Görlitzer Uraufführung des Werkes. Ähnlich wie dort dominierte in Radebeul die heitere und erheiternde Märchenparodie des Stoffes. Doch es fehlt die satirische Schärfe, die Bissigkeit einer Persiflage des Machtkampfs Mächtiger, der Besitzgier Besitzender. Hennig hat ihre Inszenierung phantasievoll erarbeitet und fand ausdrucksstarke choreographische Lösungen. In lebendiger Bilderfolge erzählt sie das merkwürdige Schicksal Reinekes, wie er mit List dem Galgen entgeht, schwächere Widersacher wie Henne und Hase ausschaltet, den physischen Machtkampf mit dem Konkurrenten Bär für sich entscheidet, die Gunst der regierenden Königin und den Kanzlerposten erringt.
Karl-Rudi Griesbach, dessen 70. Geburtstag am 15. Juni Anlaß war, das Werk aufzunehmen, bezeichnet »Reineke Fuchs« als ein Vokalballett. Einige...
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