Strawinsky in Leipzig: »Der Feuervogel«/»Das Frühlingsopfer«
Aus TdZ 8/1986
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Dieser Strawinsky-Abend des Leipziger Balletts belebt Dispute über das Tanztheaterschaffen hierzulande. Schon am Premierenabend prallten Für und Wider in Zuschauermeinungen aufeinander, vor allem nach »Feuervogel«.
Der Abend »gehört« der Leipziger Primaballerina Marina Otto, die zwei sehr anspruchsvolle Rollen tanzt. Im zweiten Teil »Le sacre du Printemps« (in Leipzig »Das Frühlingsopfer«) ist sie Die Auserwählte, die, altheidnischem Brauchtum folgend, der Natur zum Opfer dargebracht wird, damit dem Stamm kein Unheil widerfahre. Tänzerisch souverän und kühn gestaltet sie den psychischen Zwiespalt des Mädchens. Antlitz und Körper widerspiegeln, wie es bereit ist, sich der grausamen Tradition zu fügen, es jedoch von Todesangst gepeinigt wird. Ihre Interpretation drang wie ein Aufschrei in die Seele. Das Ensemble tanzte engagiert bis zum Umfallen, stellenweise auf Kosten wünschenswerter Präzision, die atemberaubend expressive, den riesigen Bühnenraum erfüllende Choreographie von Dietmar Seyffert.
Davor, als Neuinszenierung, der »Feuervogel« mit einer völlig andersartigen Marina Otto als Der Unsterbliche Kastschej. Diese alles »Böse« beherrschende zauberische Märchenfigur erscheint als zivilisierter »Rocker« oder berechnend-mächtiger Manager in legerem Jackett, mit kastanienbraunem Kurzhaar. Zum Gefolge gehört eine dunkle Horde untertänig brutaler Gestalten, deren Maske sie zu Wesen zwischen Mensch und Tier degradiert. Die
13 verwunschenen Prinzessinnen gleiten auf Spitze mit weinroten Paravents...
















