Bühnen der Stadt Nordhausen: »Apollo und Daphne«/»Die Erschaffung der Welt«
Aus TdZ 9/1978
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Leo Spies’ »Apollo und Daphne« basiert librettistisch auf der bekannten Geschichte von der tragisch-unerfüllten Liebe Apollos zur Nymphe Daphne.
Das einfache, stilisierte Bühnenbild (drei den ohnedies stark begrenzten Bühnenraum rechtwinklig ausspannende »Wald«-Vorhänge) ließ genügend Raum zu tänzerischen Aktionen. Leider wurde choreographisch altbekanntes Formenmaterial ohne rechte Brillanz dargeboten. Zuweilen gab es Diskrepanzen zwischen der spannungsvollen Musik und einer spannungslosen, zähflüssigen Choreographie (Günther Smigay). Insbesondere konnte die technische Bewältigung des Schrittmaterials nicht befriedigen. Es wurde allzuoft nur mit den Armen getanzt, Endposen blieben unfixiert, Grand-jeté-Sprünge gerieten petit oder wurden zu bloßen Gängen, die Landung aus dem Sprung erfolgte häufig schwer und gelegentlich nicht exakt in der Richtung. Dieser sichtliche Kampf der Solisten und des Corps de ballet mit den technischen Mitteln ging zu Lasten einer künstlerischen Gestaltung der Thematik.
Technisch etwas besser gelang »Die Erschaffung der Welt« als zweites Werk des Abends, das »plastische Poem« Darius Milhauds, 1923 von dem als skandinavische Konkurrenztruppe zu Djagilews Ballets Russes entstandenen Schwedischen Ballett uraufgeführt. Rhythmische, melodische und klangliche Elemente des Jazz kontrastieren darin mit der zeitgenössischen europäischen Musik. Fraglich scheint, ob dieser Musik mit klassischen Formen und bloßen Gängen choreographisch beizukommen ist. Hauptsächlich im Schluß trat die Divergenz zwischen Musik und Choreographie zutage, verstärkt durch...
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