Staatsoper Dresden: »Ballett im Zwinger«
Aus TdZ 8/1978
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Assoziationen: Staatsoper Dresden
Die zierlich-barocke Architektur des Wallpavillons im Dresdner Zwinger genügt in ihrer dekorativen Pracht als stimmungsvoller Hintergrund für »Ballett im Zwinger«. Die Aufführungen haben Tradition, das Besondere der diesjährigen Premiere war ihre Stellung im Rahmen der 1. Dresdner Musikfestspiele.
Das Programm umfaßte vier Choreographien zwischen modern geprägter klassischer Anmut und heutiger Alltagsheiterkeit. »Chopiniana« wurde in Fokins Originalchoreographie von Nina M. Ulanowa aufs Dresdner Staatsopernballett übertragen. Das Ensemble fühlte sich sichtbar wohl, diese diszipliniert-schönen, lyrischen Figuren zu interpretieren. Mehr Gelöstheit im mimischen Ausdruck, weichere Linienführung der Arme, stilsicherere Haltung sollten im Verlauf der zwanzig Sommer-Reprisen zu erzielen sein. Thomas Hartmann, Friederike Riedel und Inge Holtfreter-Stövesand waren die vorzüglichen Solisten. Ob der Verzicht auf Glasunows Orchesterfassung ein Gewinn war, ist zu bezweifeln. Die Klavierwiedergabe über mäßige Lautsprecher erinnerte sehr an Probensaalatmosphäre.
Die übrigen drei Choreographien von Harald Wandtke variierten thematisch den daueraktuellen Dreieckskonflikt. Mit der »Tanzsuite nach Couperin« von Richard Strauss gab Wandtke dem Abend einen klassisch-grazilen, modern-lockeren Auftakt. Zu großen Ensembles in den Ecksätzen (Pavane bzw. Marsch) korrespondierten organisch Dreiergruppen und Paare in den Mittelsätzen. Hier waren noch »exerzierte« statt getanzte Schrittfolgen zu beobachten.
Als Meister bewies sich Wandtke in seinem Kurzballett »Risiko« zu Musik des Berliner Flötisten und Komponisten Matthias...
















