Faszinierende Bilder von großer Musikalität »Tanztheater-Forum 1« in der Komischen Oper
Aus N-Z, 3.10.1984
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Seinen Reiz bezog der Ballettabend auch aus den verwendeten Musiken: sämtlich Kompositionen für Soloinstrument. Und daß live musiziert wurde.
Volker Tietböhls »Italienisches Konzert« nach Bachs gleichnamiger Cembalo-Komposition in F-Dur, BWV 971, war in einer »Stunde des Tanzes« zu sehen. Die klar gegliederte, den Wechsel von Soli und Orchestertutti nachvollziehende Musik inspirierte
zu einer handlungslosen Choreographie um die Lebensfreude Jugendlicher und deren sprunghaft wechselnde Stimmungen. Das emotional dichte, gelöst dahinfließende Werk für vier Paare folgt eng der musikalischen Struktur, läßt analog zu ihr Gruppe und Solisten einander spielerisch abwechseln, miteinander wettstreiten. Die flinken Bewegungen, Sprünge, Wendungen fügt Tietböhl zu sauberen, übersichtlichen und ausgreifenden Raumformen.
Tom Schillings »Carnaval« erwies sich als außerordentlich vielschichtiges und dennoch schlichtes, zutiefst berührendes Werk, das sich seiner musikalischen Grundlage, Schumanns gleichlautender Klavier-Schöpfung op. 9, zwanglos anschmiegt. Sieben Tänzer lassen uns Augenzeuge eines Maskenspiels werden: reigenartig tasten die Figuren nacheinander, testen ihre »Paßfähigkeit«. Durch Masken glauben sie, Unsicherheit, Zweifel, Enttäuschung in Forschheit, Keckheit, Draufgängertum umwandeln zu können. Welchen Reichtum an Zwischentönen menschlichen Verhaltens Schilling modelliert, in welchem Maß er formale Geschlossenheit erzielt, ist beeindruckend.
Dann als Uraufführung »Die magische Nacht«. In einem Café sitzen ein Paar und isoliert vier Einzelpersonen. Psychologisch feindifferenziert wird von ihren inneren Zwängen und...
.jpeg&w=3840&q=75)















