Begegnung der Geschlechter
Aus TdZ 8/1991
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Am Anfang waren sieben Männer und ihre so virtuosen wie burschikosen tänzerischen Selbstbekenntnisse: »Keith« nach Musik von Keith Jarrett, das seit der Premiere 1988 ungebrochen Jubel bei den Zuschauern auslöst. Das mag Birgit Scherzer bewogen haben, ihren Dauerbrenner zum Herzstück eines abendfüllenden Projekts zu machen, das die Geschlechter separiert, um sie im letzten Teil aufeinandertreffen zu lassen. »Frauen-Männer-Paare« als Versuch einer tänzerischen Psychoanalyse.
Acht Frauen im Trenchcoat skizzieren mit einer verbalen Sentenz ihr Mann-Verhältnis. Acht Mentalitäten und Schicksale artikulieren sich im anschließenden Tanz, kokett-unbefangenes Spiel, Einsamkeit der Nacht, Enttäuschung und Verzweiflung, Sehnsucht, Hingabebereitschaft, erotisches Verlangen. Scherzer bricht nicht in larmoyanten Frauen-Frust aus: Immer wieder tröstet in differenten, teils wunderbar fließenden Duett-Teilen die Stärkere die Schwächere, spricht die Energievolle der Resignierenden Mut zu. Mit Schalk, Lebensfreude und Selbstironie bekennen sich die Aktricen zum Weibchen in der Frau. Der Mantel ist ihnen Schutzschild, Partner in einem imaginären Dialog zwischen Abrechnung und Hoffnung oder tänzerisches Requisit. Augenzwinkernd endet der 40-Minuten-Exkurs: Aus der Schlußreihe ergreift ein Mädchen einen Apfel und, ganz Eva, beißt unternehmungslustig hinein.
Mit bisweilen männlichem Vokabular läßt Scherzer beeindruckend agieren, barfuß in geschlitzten Kleidchen, die Seele fast greifbar auf der Haut tragend. Gesangstitel von Nina Simone bis Jacques Brel nutzt sie...
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