Jede Figur ein Charakter. Altenburg: »Café Illusion«
Aus TdZ 3/1987
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Irina Pauls überraschte mit der Tatsache, daß es auch anders geht: Tänzer und Zuschauer auf der Bühne. Vor dem »Eisernen« die nüchtern-moderne Hauswand mit dem Eingang zum »Café Illusion«. Im Bühnenhintergrund, um die Drehscheibe gruppiert, das Publikum. Auf der Scheibe, starr an Café-Tischen sitzend, Typen aus unterschiedlichem sozialen Milieu. Ein naives Mädchen, eine Schöne mit langer Zigarettenspitze, eine biedere Frau im schlichten Kleid, eine ältliche dürre Dame mit Hütchen und Täschchen, eine Emanze. Ein Alter in schmuddeligem Mantel vorm Bierglas, ein Büromensch mit Aktentasche. Und um ihrer aller Unterhaltung bemüht der nicht mehr ganz frische Entertainer, der mit Rocktanz die Gäste anmacht. Das Mädchen fliegt sogleich auf ihn rein, pubertäre Neugier treibt sie zum Tanz mit ihm. Er muß verschnaufen, doch die grazile blonde Schöne holt ihn zu elegantem Duett, bis er nicht mehr kann.
Die anderen Typen erwachen. In die emanzipierte junge Frau kommt Leben, puppig exzentrisch »geht« sie virtuos über die Szene, mit blitzschnellen Wendungen die Richtung ihrer Ziele immer wieder verändernd. Der Landstreicher erhebt sich, die staksige Hausfrau verliert im Kontakt mit dem Aktentaschenträger ihre Hemmungen, die verkrampfte Frau entdeckt sich und in ihrer Phantasie ihren Körper in Gestalt von zwei wunderschönen Tänzerinnen. Die Vision verschwindet, aber...
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